Dazwischen
Donnerstag, 3. Januar 2019

Keine Ahnung

Nehme mir einige, nehme an rhetorische Fragen zum Anlass, über ein paar Dinge nachzudenken.

Der Feind, wenn es einen gibt, kann in der Theorie keine Nation mehr sein, kein soziales Gefüge und keine Einheit größer oder kleiner Null. Falls er da ist, kann ich ihm nur den Namen Romantschiss geben. Verklärter Kitsch in Erwartungshaltunsform. Man sagt ja, Depressive nehmen die Welt so wahr wie ist ist, alle 'Normalos' verklären sie zutiefst.

Nehmen wir das schöne Bespiel Heiratsantrag. Welche Frau davon träumt, und ob, das erschliesst sich mir nicht, da ich selten mit welchen darüber spreche, aber ich kenne sehr wohl meine eigene Phantasie zu diesem Thema. Was das in mir auslöst ist enorm. Zu den wildesten Anlässen träumte ich davon dass er fragt, final: Willst du meine Frau werden.

Heute weiß ich aber, dass das ein Irrtum war. Darauf zu hoffen. Die Fassade der Zivilisation ist mehr als spröde und angesichts dessen kann ich von Glück nicht mehr träumen. Auch die Erlösung wird keine sein, und da bin ich wieder bei meinem Punkt, dem Erzfeind meiner Seele: Mei is des romantisch!

Die Engerl, die Herzerl, die Bluuuumen!

Herzig ist hier gar nichts. Am Ende sind wir tot und dazwischen haben wir vielleicht ein paar helle Momente. Ich meine, natürlich gibt es gelingende Leben, aber wer kann Leid vergleichen und deswegen Verbitterung anerkennen oder ihre Abwesenheit honorieren?

Wäre die KitschIndustrie etwas vorsichtiger und würde sich zum Beispiel selbst abschaffen, dann sähen wir im Teil zwei von 'man lernt nie aus' eine frustrierte Mitt Fünfzigerin die ihrem Ehemann den uralten Seitensprung nie verzeihen konnte, eine womöglich total widerspenstige Teenagertochter und einen Sport schauenden Ehemann den sonst nix mehr interessiert als Feierabendbierchen und Darts.

Ich meine es geht auch anders! Aber Rezepte gibt es dafür nicht. Ein neugieriges Herz vielleicht, aber kein Herzerl oder so. Mit offen und frei. Ohne falsche Scham, dafür mit Respekt. Vor der Tatsache dass wir eigentlich wilde Tiere sind mit einer Firniss aus guter Musik, feinem Geschmack, schönen Bildern und grandiosen Bauwerken. Zur Liebe fähig und zum Mitgefühl. Aber immer in erster Linie uns selbst und den Unseren verpflichtet, nur selten der Schönheit, viel seltener noch der Wahrhaftigkeit, fast nur als Ausnahme dem Altruismus.

Wer was anderes behauptet lügt. Und aus diesem Grund sollte man den Irrsinn der Romantik entlarven und auf sie verzichten lernen. Die Menschen denen wir begegnen, die in sich ruhen und ihren Frieden gefunden haben sind nicht immer die, denen alles geglückt ist, die es leicht hatten oder leicht nehmen konnten. Gerade die schlimmsten Schicksale machen Leute, nunja: depressiv oder weise. Aufgeben oder nur beugen lassen. Und ich meine ernsthaft: Je weniger Romantschiss herumgeistert in Form von rückwärts gewandter Rhetorik, kitschigsten Vorstellungen in Filmen und sozialen Medien und Erzählungen, desto weniger werden Leute psychisch krank und können sich mehr beteiligen am Leben in der Welt wie sie ist.

Bis morgen in alter Stinkigkeit.

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