Dazwischen
Samstag, 12. Januar 2019

Was guckst Du so?

Irgendwie dachte ich, aufzuwachen fühlte sich glitzernd an, mit Sonnenschein und grünen Bäumen, bunten Tulpen am Tisch und einer Laune die der Euphorie nahe wäre.

Nein.

Ich könnte weinen, und heule auch. Ein zärtliches Gefühl für die Wirklichkeit flutet mein Herz, das gleichzeitig den Schmerz den ich anderen zugefügt habe nicht wegschiebt.

Vier Menschen, T und R, R und M. Denen habe ich - schriftlich - wirklich weh getan. Es gibt keine Ausflucht, auch dass ich nicht Frau meiner Sinne war gälte nur juristisch, nicht menschlich.

Ich habe oft versucht den Schmerz rechtzufertigen mit mir angetanem Unrecht, aber das funktioniert nun so auch nicht ganz.

Kulminiert alles und ich wundere mich wieso jetzt, wieso an diesem Punkt aber beschweren will ich mich nicht. Ein seltsames Gefühl, schwach und verletzlich fühle ich mich, klein und zart, trotz zu vieler Kilos. Draußen dämmert ein Tag zwar kalt aber bergauf weisend, ich bin unschlüssig ob das Pathos mir egal wird oder ich in die Kurzform wechsle, ich weiß einfach nicht, was ich mit den Fragen anfangen soll, die mir gestellt wurden. Entweder daran arbeiten oder sie mit Würde zurückweisen.

Den vier Opfern meiner Texte wünsche ich Glück auf, ich hab einst, ungefähr zur nämlichen Zeit auch Insekten gezeichnet und manches übersteht die Tabula rasa Anfälle irgendwie. Angst hab ich, heute meine Mutter gesehen - wie schön ist ist, und mein Vater hat schlechte Laune aber ich habe nicht das Gefühl daran Schuld zu sein, sondern leide mit und nehme wahr. Der A ist sowieso der Coolste und der O macht mich so froh, letztens am Weg zum Kindergarten bewunderten wir die viele Krähen in den kahlen Bäumen und dann wollt er unbedingt den dicksten Baum schütteln dass sie runterfallen. Hat mich sehr amüsiert. Den Krähen hat es kein müdes lächeln entlockt, aber weggescheucht hat er sie auch nicht damit. 'Kletter rauf Mama!' Ja sicher, Sohn.

2006/2007

Stehe in der Küche und warte bis das Wasser der Erdäpfel und der Kohlsprossen/Karotten kocht, damit ich es zurückdrehen kann. Esse Schokolade. Im Rohr ein Samstagsbraten.

Beklage den Verlust meines Gesichtes. Aber das ist eine andere Geschichte.

Unlängst im Radio meines Vertrauens die Mitternacht nachgehört und schwer erinnert worden, an die Jahre 2006/2007. Damals schrieb ich für ein paar Monate lang jeden Tag ein Mail an wen, den ich verehrte. Es waren keine Drohungen, ich stellte der Person nie real nach, aber da die Antworten damals ausblieben vermute ich es war der Person mehr als unangenehm. Hier und da überkam mich der dringende Wunsch mich zu entschuldigen, was ich auch ein paar Mal getan hatte. Aber meist mit dem Gefühl der Hoffnung, dass mir verziehen würde.

Gestern entschuldigte ich mich erneut aber diesmal hat es sich anders angefühlt. Ernster. Ich schäme ich immer noch in Grund und Boden und verdränge das alles gerne, da ich sonst losheule wie ein Schlosshund. Doch die Tatsache dass dieser Mann vielleicht Sorgen hatte, sich gefürchtet hat damals oder es ihm schlicht sehr unangenehm war, das tut mir wirklich leid, ich kann mir das selbst nicht verzeihen.

Überhaupt kann ich es mir nicht verzeihen, verrückt gewesen zu sein. Ich meine es ist auch schwer, da der Geist nicht so fix und unverrückbar ist wie das Küchenkastel auf dem das Silberbuch steht, relativ zumindest. Ich könnte es umstellen. Aber es ist Materie, mit Phi-Wert gegen Null, vermutlich.

Mein Hirn jedoch spielt mir Streiche aber es gibt niemanden der mir sagen kann: Hier ist die Grenze - ab da bist Du normal!

Natürlich würde ich gerne dazugehören irgendwo. Ich glaube das ist eine Sehnsucht die dem Menschen immanent ist.

Es tut mir so leid. Für mich war es die Rettung damals, ich konnte mir einen Phantasiefreund aufbauen, der mich beschützte, mir half nicht aufzugeben.

Aber was ist mit ihm? Was hat das gekostet, an Energie, ohne den geringsten Mehrwert?

Ich kann nichtmal was zurückgeben, ich wüßte nicht was. Ich hab nix. Vor allem kein Gesicht. Verdammt.

Ich schreibe einfach weiter. So ein Mist.

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