Dazwischen
Samstag, 10. August 2019

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Sprachlos. Weil satt. Von Worten erfüllt, wach gezwickt, in den Oberarm gekniffen um genau zu sein, das gibt einen blauen Fleck, meine Herren, wenn der wüßte wie stark er ist, ich glaub das sag ich ihm mal lieber nicht, lasse ihn glauben dass meine Schnelligkeit seine Kraft locker wett machte, dann hab ich womöglich später eine realistische Chance.

Der Kampf, auf den ich warte, hat vor langer Zeit begonnen, ich meine, ich weiß dass ich hätte trainieren sollen und hab es vernachlässigt, das bisschen hier und da zählt schon kaum noch.

Wir lachen, schütteln uns aus, dann geht er, zieht ab zu seinem Film und ich weiß irgendwie, jetzt wo die Abende wieder uns gehören, werden die Schlachten sich verlagern auf anderes Terrain, mitten hinein ins Leben und völlig davon befreit gleichzeitig.

Ich träume wieder, das Kind sagt in seinem Kopf seien (...), ich habe aber keine Angst mehr, ich forsche nicht nach, denn hinter all den Sorgen steckt doch nur der eine Tag, den keiner verhindern kann. Der aber dann kommt, wenn man ihn, ob man ihn kommen sah oder nicht, eh nie zum Tee gebeten hätte, just in dem Moment als man gerade noch nicht bereit dafür war. Genau den Millimeter davon entfernt, den es braucht um noch zu wachsen daran.

Später.

Dass es einen aber erstmal wirft, Kilometer weit in eine Phase der Vorstellung, die man für immer besiegt dachte, geschenkt. Wir kommen zurück an diesen Punkt und dann wird der Sieg errungen sein oder die Niederlage geschlagen. Ich weiß jetzt, welchen ruhigen Fluss der K meinte, als er mich bat, Platz zu nehmen. Wir sind uns einig geworden und einige Zeit später, das Licht am Balkon in vielen Metern Entfernung weiß den Weg, erinnere ich mich an Emiliano und seine Muschel, die Hügel an der Küste von Mexico und die wilden und weniger wilden Hunde, die, alle augenscheinlich miteinander verbrüdert und verwandt, auf seine Musik antworteten. Was sie besprochen haben, das wissen sie womöglich selbst nicht mehr. Ob das Wasser genügen wird, für diesen Sommer, oder ob die Ernte reiche Beute verspricht, wer die Fremde im Dorf sei, die aussah mit ihrer blassen Haut, dem militärischen Haarschnitt und dem verquollenen Gesicht, von Stichen übersät.

Was will sie hier? Warum ist sie gekommen? Bringt sie etwas oder hat sie gar was vergessen?

Ja, ich habe etwas vergessen - wie Gemüse schmeckt, im Blechtopf am Lagerfreuer gekocht, mit Meersalz und wenigen Gewürzen vermischt. Wie die Früchte am Markt, die Paradeiser und der Käse, der Kaktus in der Suppe, das Brot.

Aber ich erkannte es wieder.

Das Nächste ein kalter Wind, graue Nadeln stechen in meine Haut, ich stehe vor verschlossener Türe und lange tut sich nichts. Dann erscheint wer, ein trauriges Gesicht. Wo warst Du? Willst Du es sagen? Ich übergebe Geschenkte und gehe wieder. Raus ins Nichts.

Lange Zeit.

Und irgendwann da.

Hendln und Dankbarkeit

Bin so müde. Ist mir heiß, so heiß. Habe schlechte Laune, weil ich mich nicht auskenne. Bin gut gestimmt weil der Tag ein feiner war, satt gegessen, viel gesprochen, mit dem A geschäkert, das passiert selten genug da mein Humor oft abwesend ist.

Ich frage mich ob wer denkt, hier wäre Wahrheit. Alles erzähle ich nicht, aber wenn man nicht lügen will, woher kann man wissen dass es keine Schönung der Realität ist, was man sich da aus den Fingern mäandert? Also ob ich mich quasi selbst belüge? Wenn ich die eher heiteren Sachen los werde, dann weil ich keine deprimierte Stimmung verbreiten mag. Das Leben ist schwer genug.

Erstens weiß man nie, was noch kommt, an Schicksal. Zweitens hat man viel erlebt, genug um zu wissen, dass man niemals in Sicherheit sein wird können.

Und zu guter Letzt, denn drei ist die Zahl: Perfekt sein ist langweilig.

Meine Tante hat mir heute etwas Schönes geschenkt. Vor einigen Jahren bekam ich ein Wendeheft mit Sinnsprüchen und Bildern. Jetzt wieder, aber es sind gezeichnete Hühner drin und viele Worte und ich glaube, ich mag keinen einzigen Spruch da drinnen nicht, ich glaub ich hab fast alle gelesen jetzt und jeder erscheint mir sinnvoll, ist mir nahe.

Darum hier die Highlights meiner Oma (andere Familie, mütterlicherseits):

Zvü gfiarcht is a gsturbm.

Alles bringt ma nie zam.

Wer lang fragt, geht lang irr.

Schönen Abend allseits!

Playlist für Mama

Vor einigen Tagen habe ich meine Mutter angeschrien, aufmerksame Beobachter wissen dass wir unsere Sträuße ausgefochten haben im Laufe der Jahre. Dass es so eskaliert hätte ich aber nicht gedacht.

Hab dann nicht mehr angerufen um mich, wie üblich, zu entschuldigen. Aber dann hörte und sah ich sie kurz, erledigte ich ihre Arbeit vier Stunden lang und ich habe mit Demut verstanden, was war und ist.

Im Handel zu arbeiten ist schwer, ich war lange Verkäuferin für Gewand. Es macht Spaß mit Menschen zu arbeiten, aber es kommt vor, dass Leute Energie kaufen und nicht Waren. Damals war ich zufrieden dass ich keine Freunde hatte, denn mit Leuten war ich voll nach einem Arbeitstag.

Heute habe ich plötzlich Freunde und Freundinnen und bin nur teilweise unter Menschen während der Arbeit, und weil ich weiß was das bedeutet, abhängig zu sein und nichts zu besitzen finde ich das bedingungslose Grundeinkommen nicht nur notwendig sondern unumgänglich. Wer mit der Faulheit der Leute argumentiert meint wohl eher dass er dann über weniger Abhängige verfügen würde, die ihm essen kochen, putzen oder die Bim fahren.

Mehr Bäume! Weniger Autos! Ein bisschen vom Kuchen für alle! Menschenrecht auf Wohnung/Arbeit/Verpflegung/Natur! Opferrolle beenden und aber nicht ins Gegenteil umschlagen und Täter werden, sondern Verantwortung übernehmen und die psychische Freiheit leben.

Wie könnte das gehen, mit den autofreien Städten? Ja ich schrieb es schon, aber zum Beispiel in Etappen von innen nach außen die Autos raus bitten, im zehn Jahres Rhythmus pro Runde, ein Zeitraum in dem man locker Parkgaragen und Öffis bauen kann.
Hochbeete, Verladezeiten, Fahrradtaxis, die Gehsteige und Parkplätze begrünen und den Fahrstreifen für Lieferungen/Einsatzfahrzeuge/Räder/Taxis freihalten, jeder kriegt ein Kontingent an Fahrzeit je nach Notwendigkeiten, Lastenräder, Lieferdienste zentral koordiniert und in einem gewissen Zeitfenster möglich, Pater-Noster-Straßenbahn um den Ring, etc. etc.

Es wird durch die Aufwertung der kleinen Wirtschaftstreibenden die Vielfalt belebt, da wieder mehr Leute Handwerksdienste anbieten könnten, da die horrenden Lohnnebenkosten durch das Grundeinkommen abgefedert würden, Kunst und Kultur würden aufblühen.

Das ist keine Utopie weil die Natur des Menschen ist nicht dass er sich hängen läßt, und dazu hat er außerdem gerade genug Möglichkeiten. Es wäre kein Himmel auf Erden, kein Schlaraffenland, aber ein Stück lebenswerter für alle.

Und Menschen wie meine Mutter wären von allem Anfang an unabhängig, sie könnten ihre Anlagen und Talente frei entfalten und der Welt etwas geben, Schönheit und Liebe. Sie hat eine extrem schöne Stimme, hätte wenn es gewesen wäre, mehr daran arbeiten können und vielleicht ihre Angst überwunden. Und für mehr Licht und Heiterkeit gesorgt. Wie wir alle das machen könnten, wären wir vom Existenzkampf ein Stück weit befreit. Und nicht zuletzt würden wir der Erde einen großen Gefallen tun. Das energiefressende Waren verschippern wäre weniger, Urlaub auf Balkonien vielleicht wieder eine reale Option zu weiten Fernreisen, wer noch eine Idee hat - werfe den zweiten Stein! Ich bitte darum!

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