dazwischen
Dienstag, 10. Oktober 2017

how low can you go?

ich meine bezüglich zivilcourage. aber von anfang an.

am spielplatz im wald, von 14 bis 16 uhr. viele kinder, erst, eine schulklasse. als sie gehen bin ich froh über die ruhe, alte schlachtel ich. o ist aber natürlich begeistert von anderen kindern. ein mädel wippt mit ihm, ich verdünnisiere mich geistig, damit ich ihn nicht störe, körperlich bin ich aber anwesend, damit er nicht runterfällt oder so.

dann kommt ein mann mit einem älteren dirndl, sie setzen sich in die schaukel, eine rauchwolke zieht über dem o und meinen kopf. als er beim fangen spielen lacht schaut der mann pikiert.

irgendwie beginne ich mich unwohl zu fühlen, der kleine ist auch langsam anstrengend weil er auf ein reck will unbedingt, aber noch zu kurz ist dafür. er ist genervt. alleine von der tatsache klein zu sein. ich will ihn ablenken und beschließe zu gehen, richtung oma, den rechner holen und dann nach hause. der park ist nähe arbeit.

der mann und seine tochter, nehme ich an, schaukeln immer noch.

da macht der o einen schritt in eine richtung die ich nicht kommen sah, stolpert wegen der dicken blöden gatschhose und schlägt mit der lippe auf einem holzpflock auf. im augenblick schreit er los, mir schwant übles. nehme ihn hoch, sehe schon blut aus seinem mund fliessen. binnen kürzester zeit ist das halbe gesicht rot. seine kleinen lieben hände ebenfalls.

ich: panik. für 5 sekunden habe ich keine kontrolle über mich, ich drücke ihn an mich, schaue mich um und rufe in die richtung des mannes in der schaukel: 'was soll ich tun?'

und er? schaut weg. dreht einfach den kopf zu seite und schaut in die andere richtung. ein kurzes schulterzucken meine ich wahrzunehmen aber da könnt ich mich getäuscht haben.

bevor ich das aber eingemeinde in die wahrnehmung hab ich mich schon wieder gefangen und vernichte probleme mit handlungen. der o wird in den buggy geschnallt, gecheckt ob die blutung aufgehört hat oder nicht, lippe geschaut, ist die zunge ganz, etc. dann aufbruch, mutter anrufen, und ab runter zur straße. die leute am weg schauen weg oder entsetzt starrend. o weint nicht mehr, er ist sehr tapfer. unten ist die ampel rot, ich kann kurz mit ihm reden, er grinst schief. auch sehr erschrocken der arme. dann in der apotheke taucht schon meine mutter auf, ich kaufe desinfektionsmittel und wir gehen rüber, der kalte waschfleck wartet schon. oma wäscht dem o liebevoll das gesicht rein, ich sprühe das mittel auf die wunde, die zu bluten aufgehört hat und spiele ihm 'für elise' am klavier vor, eins von zwei stücken die ich noch kann. er ist begeistert und klimpert mit, voller verhaltenem elan.

der abend ist dann recht gut, die standpauke wegen meiner whatsapp nachricht über den vorfall verdiene ich tatsächlich, und dann hab ich zeit nachzudenken. wie ist das mit der hilfe? würde ich wem helfen, der blutend am boden liegt? die alte dame von vor zehn jahren, die gesicht nach unten am zebrastreifen gelegen ist, lag dort schon eine weile bevor ich hinkam. aus den stehenden autos ist keiner ausgestiegen. ja, ich weiß es nicht. einmal habe ich geträumt, ich begegne einem schwerst verletzten mann im wald. er war so verletzt dass ich mich überwinden musste ihn in den arm zu nehmen aber er verlangte danach. ich tat es und es war nicht schlimm. nicht grausig - es war schmerzhaft für die seele aber wie gut es ihm getan hat wog schwerer. ich halte mich nicht für was besseres. in der tat nicht. aber wenn jemand mit einem blutenden kind im arm mich um hilfe fragen würde, ich zögerte keine sekunde. ich würde meine hilfe anbieten, telefonieren, ein taschentuchpackerl zücken, was weiß ich, ruhe verbreiten.

was war da los heute? warum? das böse ist halt einfach das böse. bequemlichkeit, angst, faulheit und feigheit. wie man es auch nennt. ich verzage nie wieder! ich versuche es!

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