Dazwischen
Samstag, 14. Juli 2018

in die Freiheit hüpfen

Gestern zog ein Gewitter auf, aber der Regen war unergiebig. Wir sind mit dem Auto gefahren, die Luft ist gestanden und O hat gesungen hinten auf seinem Kindersitz. Ich bin aus der Arbeit gekommen, die ich doch ehrlicherweise sehr schätze. Brennen werde ich wohl immer für die Worte, aber wer weiß? Vielleicht, wenn es nach dem Eisenhans geht und ich wenn der kommende Winter Geschichte ist auch frei sein werde von den letzten fünf Milligramm, bekomme ich mein Elefantengedächtnis zurück, und meine Kreativität. Dann kann ich lesen und lernen, über Magnesium und das zaponieren, über Granate und Punzenbilder. Ich liebe das!

Gestern waren wir am Spielplatz am Vormittag und lernten eine Mutter mit 3 Kindern kennen. Diese und O hüpften immer abwechselnd am Trampolin. Es klappte ohne das geringste Problem, die Sympathien die von unsere Seite auf Anhieb da waren und vielleicht auf Gegenseitigkeit beruhten, ich hoffe es, ließen die Kinder voll vernünftig jeder seine zwei Minuten hüpfen dann war die nächste dran und kein Streit kein 'ich will länger' – es war sehr schön. Der Park war voller Kinder, ein Gewusel denn es waren zwei oder drei Kindergärten auch da. Als wir gingen, weil O schon müde war, sah ich die Frau der drei Kinder sich um einen kleinen schwarzen Buben kümmern. Dieser war mir vorher schon aufgefallen, da seine Betreuerin ihn nach gefühlten 10 Sekunden auf dem Trampolin weggescheucht hatte damit O wieder hüpfen konnte, der das aber davor sicher 10 Minuten lang getan hat. So schnell konnte ich gar nix sagen, wie der dunkelhäutige Bub schon weglaufen war. Ich dachte nur: What? Er hat ja gerade mal 10 Sekunden, was geht mit der Betreuerin? Jedenfalls mein Gefühl war stark dass dieser Bub ein Außenseiter wäre, ich habe manchmal so Empathieüberschwemmungen, und oft trügen meine Wahrnehmungen mich gar nicht.
Als wir also schon aus dem eingezäunten Park draußen waren und ich nochmal den Kopf nach links wandte sah ich die Mutter der drei Kinder vom Trampolin-Ringerl wie sie diesem verscheuchten Kind das Auge mit Wasser spülte. Und die Betreuerin angetrabt kam und einen anderen schimpfte weil er ihm Sand ins Auge geworfen hatte.

Es ist nun wie folgt: Mit jeder solcher Episode wächst mein Selbstvertrauen bezüglich meiner Wahrnehmungsfähigkeit. Wer ist mir sympathisch? Wer kümmert sich wenn es viele andere nicht täten? Wer ist unterdrückt, ein Ausgestoßener?

Und das gute daran, es gibt so viele feine Leute. Empathie und soziale Kompetenz über den Tellerrand hinaus. Ich war froh und traurig zugleich. Dieser Park ist sehr schön, obwohl die Spielgeräte etwas abgranzt sind bereits, aber man sieht der Wiese und den Bäumen rundherum an, dass sie lange dort stehen und schon eine Weile ein Erholungsgebiet sind. Die Stille die den Ort trägt trotz unzählbarer Kinderstimmen und dem Zug und Autobahnzubringer gleich daneben verdankt er diesen Bäumen und der Wiese, die wie von Schafen abgegrast ist. Und der Tatsache dass es möglich ist dort Abenteuer zu erleben. Ich kenne ihn seit ich ein Kind bin und viel früher gab es dort sogar einmal ein paar Biber. Es reicht das zu wissen, um zu fühlen was dieser Platz alles gespeichert hat. Rock on Park!

(Vielleicht ist aber auch alles ganz anders)

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