Dazwischen
Donnerstag, 20. Dezember 2018

Licht angelassen

Ich glaube ja an eine Macht die größer ist als ich selbst. Nennt man es Gott, kann man das machen. Naturgewalt oder Schicksal, das Durchpausende oder die Ewigkeit. Wie auch immer. Namen sind etwas das ich mir nicht merken kann und auch irgendwie fast überflüssig finde. Schön, wenn ich wen kenne, und dann auch benennen kann aber solange ich nur vage ahne halte ich mich an das Gefühl. Und so ist es auch mit dem Angst-Löser, Vertrauens-Bilder: dem Glauben.

Letztens überlegte ich mir folgendes: Bevor man innerpsychisch gute Mutter und schlechte Mutter nicht vereint hat, ist man nicht in der Lage Mitgefühl zu haben. Ich denke darüber nach weil der O enorm viel Empathie hatte aber die Trotzphase seine eigenen Interessen total in den Vordergrund gespült hat. Das ist natürlich voll okay in diesem Ausmaß und eine natürliche Entwicklung. Aber ich denke mir halt, weil er davor eins ist mit der Bezugsperson, und ihre Empathie-Fähigkeit spiegelt, wird der erwachende Wille dann geschwemmt mit der Erkenntnis das man ein eigenes Wesen ist mit Vorstellungen wie die Sache zu laufen hat und deswegen wirkt diese Egozentrik auf abgeschliffene Erwachsene so provokant. Es ist das Vermögen Kompromisse zu schließen noch nicht vorhanden, denn die verbietende Mutter ist die schlechte, die erlaubende zwar die Bessere aber das Zeitgefühl und die Ambivalenz für eine Lösung der Angelegenheit fehlt noch.

Den Willen von Kindern zu brechen, ihnen Gewalt anzutun oder sie zu unterwerfen schafft eine schlechte Welt mit Krieg und Gewalt. Ich glaube fest daran dass man hier ansetzen muss und so bleibt leider zu sagen dass die katholische Kirche sich überholt hat wenn sie sich nicht schleunigst, am besten gestern, reformiert und zwar radikal. Beziehungsfreiheit für Priester, Anerkennung von Homosexualität, völlig Transparenz bei der Aufarbeitung der Geschichte von Missbrauch und Gewalt, Verhütungsverbot abschaffen und was da an irren Sachen noch so herumwankt.

Ich trete aus der Kirche aus demnächst. Wenn sich nicht bald was tut.

Hat man nämlich Missbrauchserfahrungen gemacht im Kindesalter, nehme ich an, wird man womöglich Gut und Böse sein Leben lang aufspalten. Ich kann das nicht beurteilen, kenne aber Menschen die solches erfahren mussten. Jeder Mensch ist aber per se zu Gutem und Schlechtem fähig, wie das dritte Reich und seine Mitläufer deutlich gemacht haben. Es gibt niemanden der alleine auf der guten Seite steht oder der nur schlecht wäre. Alles verdrängte aber gärt wie wir wissen und bricht sich seine Bahn früher oder später.

Und dann meist eruptiv und ohne jegliches Maß. Das Potential des Glaubens ist die Befreiung von irrealen Ängsten. Der Respekt und die Vorsicht dürfen keiner draufgängerischen Lebenseinstellung oder Andrenalin-Abhängigkeit Platz machen, natürlich, aber einfach ohne Angst dem Anderen gegenüberzutreten weil er ein Mensch ist wie man selbst, das schafft Augenhöhe. Die ist Voraussetzung für Empathie und Frieden.

Und Angst kann man den Kinder 'antrainieren' oder eben antun, oder die natürlichen Ängste einer Gehaltenheit anvertrauen, die nicht das Äußerste verhindern kann im Falle des Falles aber welche klar macht dass es etwas viel Schlimmeres gibt als den physischen Tod: Das Nicht-Leben, die Paralyse des angstzentrierten, sicherheitsabhängigen SeelenKomaLebens.

Wir leben in wilden Zeiten, das stimmt. Es wird Zeit die Weichen zu stellen. Ich glaube, dass es möglich ist am Frieden weiter zu arbeiten wenn man Kinder zur Toleranz und NichtToleranz erzieht. Denn wenn sie Übergriffe nicht tolerieren oder Grenzüberschreitern ein Nein entgegenschmettern ist das ein Sieg. Wir müssen sie trainieren ihren Willen kund zu tun in dem wir unsere Last abwerfen, unsere Egozentrik akzeptieren und auszuhalten lernen die wir da vor die Seelen geworfen bekommen wenn das Kind seinen Willen partout durchsetzen will. Die mögliche Reaktion an die eigene Verfassung anzupassen ist einmal eine gute Idee. Manchmal kann ich mich auseinandersetzen mit O's Wünschen, manchmal nicht. Manchmal gebe ich nach, machmal nicht. Das ist eine klare Linie, weil sie realistisch ist, so funktioniert unsere Welt nämlich. Habe ich starre Regeln ende ich in einer Diktatur. Bin ich verhandlungsfähig bleibe ich Demokratie. Sicher muss es Punkte geben über die nicht verhandelt werden kann: Siehe Menschenrechte. Soziale Normen wie das Nasebohren in der Öffentlichkeit. Oder furzen. Macht man nicht, gehört sich nicht. Grüßen, verabschieden, Bitte danke. Manieren allgemein. Dann weiter die gewaltlose Einstellung die höchstens Abwehr und Notwehr gelten lassen kann. Gesetze, Regeln der Gemeinschaft.

Aber der Spielraum, die Freiheit dazwischen, bei den unwichtigen Sachen, ob er beim Essen sitzen bleiben muss bis die langweiligen Erwachsenen endlich fertig sind oder aufstehen darf ist etwas das wir ausmachen je nach Situation. Festgebunden wird hier keiner!

Etwas Demut nun.

Danke Leben. Ich bin sehr dankbar.

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