Dazwischen
Mittwoch, 14. August 2019

fischen

Wenn ich das Kind zu Bett bringe abends, habe ich oft zwischen fünfzehn Minuten und einer halben Stunde Zeit, nachzudenken. O schläft fast, fest an mich gekuschelt, ich habe ihm Bücher vorgelesen und etwas vorgesungen, dann warte ich bis er zweimal im Schlaf gezuckt hat, danach schläft er so fest dass ich gehen kann. Man kennt seine Leute irgendwann. Das war nicht schwer, außerdem.

In dieser Zeit bin ich manchmal ohne Handy. Ich gebe zu, oft liegt es neben dem Bett und ich surfe durchs Netz.

Habe ich mein Telefon nicht dabei, dann denke ich nach, sehe in den Nachthimmel, die paar Sterne oder den Mond, Wolken oder unvollständ'ge Finsternis.

Es sind mir so die besten Ideen in meinen Sinn gekommen. Gedanken über die Welt im Großen und meine kleine Familie im speziellen, die ich nicht mehr missen möchte zum Verständnis und zur Freude am Dasein. Ich habe gelernt, zu spielen, etwas das ich überhaupt nicht konnte. Manchmal holprig, machmal selbstvergessen, aber jedesmal wenn das schwarze Ding 'Ping' macht bin ich unterbrochen im Flow. Weil ein Teil von mir, ein kleiner aber mächtiger, will wissen. Wer hat geschrieben, und was hat diese Person vor?

Dieses unsichtbare Band der Neugier zieht mich magisch oder suchtversessen in die Richtung aus der das Geräusch kam. Ich werde auf meine ungeteilte Aufmerksamkeit dem Spiel und vorallem O gegenüber vergessen und schwupps bin ich dort und sehe, es ist irgendeine belanglose Information oder was Wichtiges, aber auf jeden Fall jedesmal etwas, das wert gewesen wäre, aufgeschoben zu werden.

Im aller außergewöhnlichsten Fall es wäre etwas Lebensnotwendiges, hätte ich einen Anruf bekommen, den würde ich annehmen und dann handeln. Alles andere: Makulatur.

Ich merke wie ich fahrig werde, eben hat mein Telefon gepingt. Kann mich nicht mehr auf den Text konzentrieren weil ich so neugierig bin. Was wird drinnen stehen? 'Danke, geht mir gut. Bin müde. Sonst alles okay.'

Mein Instinkt rät mir, mich fern zu halten, aber so schau ich trotzdem nach: 'Hallo. Soweit ok. Nicht zuviel Stress. Bin müde. Und ihr?'

Mein Instinkt sagt mir, es geht ihm gut. Wir sind verbunden, fest und felsig, aber diese vorgegaukelte Sicherheit, ich hätte das Schicksal im Griff wenn ich informiert bin, macht mich rasend.

Das Internet zu verteufeln bringt auch keine Punkte. Aber die schwarz/weiß Malerei ist genauso blöd. Mir hat es geholfen, meine Angst zu überwinden, rauszugehen, mit Menschen zu sprechen. Ich habe davor keine Scheu mehr. Ob die Zeit alleine das gekonnt hätte, wer weiß? Vielleicht ist es ja so, dass wir einen nächsten Schritt machen könnten. Wir haben überreagiert, mit diesem Netz. Es ist schön, hat viele Vorteile. Aber seine Handlanger sollten wir nicht bleiben. Um eine Welt zu erhalten, ja man muss sagen: zu retten, auf der die kommenden Generationen noch eine Chance auf menschenwürdiges Dasein haben können ist es genau das richtige Device. Aber nur, wenn man lernt es zu übersehen, so wie das Auge sich nicht selbst zu sehen in der Lage ist und darum die Welt wahrnehmen kann.

Solange wir uns darin bloß spiegeln und darauf vergessen dass wir statt der Vergewisserung am Leben zu sein lieber einfach leben sollten, was zugegeben nicht so einfach ist, aber durchaus möglich, werden wir seine Sklaven bleiben und bei jedem 'Ping - Ping - Ping' hupfen wie die Deppen.

Verwenden wir es als Verlängerung unserer Sinne, ohne die Sinnlichkeit unserer echten Sinne wegzudiskutieren, wird es vielleicht sehr hilfreich sein beim Plan, eine lebenswerte Umwelt zu schaffen. Das was noch da ist, zu retten.

Andere Variante: Kaufen Sie sich ein Survival Buch, es könnte sein dass das die sinnvollere Investition ist.

inspiriert hiervon:

www.zeit.de

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